582 Schüler, 58 Lehrer, ein Projekt – Schule als Zukunftsstaat!

Im Schuljahr 2017/18 soll sich das Stromberg-Gymnasium für eine Woche in den Staat der Zukunft verwandeln.

Schule als Zukunftsstaat: Alle Komiteeleiter

Die gesamte Schülerschaft hatte sich vergangene Woche in der dritten und vierten Stunde in der Mensa des Stromberg-Gymnasiums versammelt, um sich über das Vorhaben der Schülermitverantwortung (SMV) zu informieren, das alle bisher gesetzten Rahmen sprengen wird: das Projekt „Schule als Zukunftsstaat“ im Schuljahr 2017/18, für das nun schon die Planungen anlaufen.

„Schule als Zukunftsstaat“

Ein Projekt, welches das Stromberg-Gymnasium für eine Woche in einen eigenen Staat verwandeln wird, mit allem, was zu einem Staat dazugehört: einer funktionierenden Politik mit Parlament und Parteien, einer kompetenten Wirtschaft mit Betrieben unterschiedlichster Art und einer eigenen Währung sowie einer wohldurchdachten Infrastruktur. Doch die Stromberg-Schülern wollen mehr. „Wir wollen unseren Schwerpunkt auf den Aspekt der Zukunft setzen“, erklären Orion Graf von Reischach, Ilayda Sahbaz und Daniel Sakarli (alle Jahrgangsstufe 1), die das Projekt auf einer Tagung kennengelernt und am Stromberg-Gymnasium angestoßen hatten. Wie kann ein Staat auch in Zukunft gut für seine Bürger sorgen? Wie muss die Wirtschaft beschaffen sein, dass sie auch noch in 20 Jahren rentabel, aber gleichzeitig auch zukunftssicher ist? Welche ethischen Fragen werden zukünftig wichtig? Mit all diesen Fragen setzen sich die Bürger des Stromberg-Staates, Schüler und Lehrer, während des Projektes, aber auch schon davor im Unterricht oder in der Planung, auseinander. Dabei sollen die Antworten darauf kein Selbstzweck bleiben, sondern ganz bewusst gegenwärtige Herausforderungen aufgreifen und Lösungen für die lebensweltlichen Probleme andenken, die dann in der Realität tatsächlich Impuls für eine Verbesserung oder Neuerung sein können. „Das ist die eigentliche Sinnstiftung dabei, die die Schüler motiviert: Verantwortung für die eigene Lebenswelt übernehmen und aktiv zu deren Gestaltung etwas beitragen zu können“, begeistert sich Schulleiterin Katja Kranich für das Großprojekt. Die Mammutaufgabe, die es zu stemmen gilt: Diesen Staat nicht nur zu konzipieren, sondern auch zu verwirklichen. Denn im Frühjahr 2018 wird dieser Staat für eine Woche am Stromberg-Gymnasium existieren – mit eigener Flagge, eigener Hymne und allem, was sonst noch zu einem Staat dazugehört. „Das Schöne an diesem Projekt ist, dass es so viele pädagogische Zielsetzungen vereint, die wir an unserer Schule so wertschätzen“, äußert sich Kranich. Es stärke nicht nur die Schulgemeinschaft durch die klassen- und jahrgangsstufenübergreifende Zusammenarbeit im Staat, es fördere auch die Selbstständigkeit der Schüler und ihre Persönlichkeitsentwicklung durch die Verantwortung, die die Schüler für das Projekt tragen.

Die Planung beginnt

Schon zu Beginn dieses Schuljahres waren die Initiatoren aus der Jahrgangstufe 1 unterwegs und stellten das Projekt bei der Lehrerschaft und der SMV vor, um anschließend gestärkt von einer begeisterten Rückmeldung die nächsten Planungsschritte anzugehen. Der Unterstützung durch Schulleiterin Katja Kranich konnten sich die Schüler dabei von Anfang an sicher sein. „Solche Synergieeffekte, wenn Lehrer und Schüler gemeinsam begeistert an einem Projekt arbeiten, sind in der Schule besonders wertvoll. Und wenn so tolle Ideen für die Gestaltung des Schullebens aus der Schülerschaft selbst kommen, geht mir als Schulleiterin sowieso das Herz auf“, schwärmt Kranich von dem Projekt. Dass es wahrhaftig ein Vorhaben der Schüler selbst ist, zeigt sich schon darin, dass die federführende Konzeption des Projektes in einem Arbeitskreis der SMV stattfindet. In vielen Planungssitzungen seit der Konstitution des Arbeitskreises beim SMV-Seminar im Oktober wurden erste grundsätzliche Entscheidungen getroffen. Ein Ergebnis davon ist die weitere Aufteilung des Arbeitskreises in sieben Komitees, die sich nun seit Anfang Dezember mit den unterschiedlichen Bereichen des Schulstaates beschäftigen. Diese Komitees und deren Zielsetzungen wurden nun vergangene Woche, moderiert von Florian Rottner (10d) und Von Reischach (J1), der versammelten Schülerschaft von den etwa 15 Komiteeleitern aus den zehnten Klassen und der Jahrgangsstufe 1 vorgestellt. Ziel war es zum einen, die Schüler über das Großprojekt zu informieren, denn schon im März steht der erste klassenübergreifende Wettbewerb um die Gestaltung der Staatsflagge bzw. des Staatslogos an. Zum anderen sollten aber auch weitere Schüler für die Mitarbeit in den Komitees bei den diesjährigen Projekttage Ende März begeistert werden. Die drei Tage sollen dafür genutzt werden, sich fachlich von Experten aus der Wirtschaft Rat zu holen und weitere konkrete Entscheidungen für die Gestaltung des Staates zu treffen. In den Komitees Öffentlichkeitsarbeit, Sponsoring, Finanzen, Politik, Betriebsorganisation, Ethik sowie Umwelt und Zukunft stehen zahlreiche Fragen auf dem Programm: Welche Steuern wird es im Schulstaat geben? Welche Bedingungen muss ein Betrieb erfüllen, um im Zukunftsstaat gegründet werden zu dürfen? Wie sieht das Regierungssystem im Stromi-Staat aus? Soll es ein bedingungsloses Grundeinkommen geben? Woher Startkapital für die Staatsgründung nehmen? Erste Entscheidungen sind schon gefallen: ganz im Zeichen des Zukunftsaspektes ist eine digitale Währung – natürlich mit passendem Wechselkurs zum Euro – geplant. Auch eine Homepage für den zukünftigen Staat ist schon in Arbeit. Alles selbständig organisiert und professionell umgesetzt von den Schülern selbst. „Wir werden die Hauptgestalter unseres Projektes sein“, freuen sich die Schüler, die sich nun mit Eifer an die Konzeption ihres eigenen Staates machen.

Bericht: Ann-Kathrin Helfert

769 Views