Das Entscheiden kann man lernen – BEST-Seminar am Stromberg-Gymnasium zur Berufs- und Studienorientierung

In einem Punkt war sich Elisa de Almeida, eine der Teilnehmerinnen, in der ersten Vorstellungsrunde sicher: „Ich möchte studieren.“ „Aber ich habe so viele Interessen und Stärken“, räumt sie ein, was ihr die Entscheidung über die Fachrichtung nicht unbedingt erleichtere. Zu Beginn der Veranstaltung war Elisas Bedürfnis nach einer Konkretisierung der eigenen Berufs- und Studienwahl groß. Dafür bedarf es – wie die angehenden Abiturienten in den beiden Seminartagen lernten – einerseits der adäquaten Einschätzung der eigenen Person, mit ihren Fähigkeiten sowie Werten und Visionen, sowie andererseits der richtigen und möglichst vollständigen Informationsrecherche zu Studien- und Berufswegen.

Genau hier setzt das Berufsentscheidungstraining BEST an, das eine Passung zwischen Persönlichkeitsanalyse und einem treffsicheren Informationsmanagement herzustellen versucht. „Auf Grundlage dieser Passung zielt das Seminar darauf ab, den Teilnehmern zu helfen, ihre berufliche Entscheidungskompetenz zu entwickeln und zu stärken“, erklärt Michael Hofer, BEST-Trainer und Beauftragter für die Studien- und Berufsorientierung am Stromberg-Gymnasium. Dabei solle das Training den Jugendlichen nicht die Entscheidung abnehmen, sondern vielmehr „Hilfe zur Selbsthilfe“ sein. Schließlich würden berufliche und karrierebezogene Entscheidungen in Zeiten von sogenannten Patchwork-Karrieren nicht einmalig getroffen, sondern stünden immer wieder im Verlauf einer Erwerbsbiografie an.

So erhielten die Teilnehmer vielfältige Instrumentarien und Methoden, um ihren Entscheidungsprozess eigenverantwortlich zu organisieren: Alina Vogt, Schülerin am Stromberg-Gymnasium, zum Beispiel war von den zahlreichen Fähigkeiten überrascht, die ihr die Hobbyanalyse bewusst gemacht hatte. Und auch der Abgleich der individuellen Interessen mit dem Studienfeldcheck sowie der Fremdeinschätzungsbogen brachten die Seminarteilnehmer in ihrer individuellen Reflexion voran. Von Petra Hammel, Co-Trainerin und Beraterin für akademische Berufe an der Bundesagentur für Arbeit Pforzheim, bekamen die Schüler zudem zahlreiche Informationsmöglichkeiten und praktische Tipps an die Hand, mit denen sie noch mehr über ihren Wunschberuf oder Studiengang erfahren können.

Am Ende des Seminars waren die Jugendlichen durchweg zufrieden: Einige fühlten sich in ihrem Berufswunsch bestärkt, andere hatten ganz neue Ideen entdeckt oder ihre Vorstellungen konkretisiert. Der 16-jährige Lukas Stefani zum Beispiel interessiert sich für technische Fragestellungen und ist sich seiner kreativen Fähigkeiten bewusst. „Ich habe zwar noch keine klare Entscheidung getroffen, doch hat mich das Seminar motiviert, mir in den nächsten Monaten genügend Zeit für den Berufswahlprozess zu nehmen und die nächsten Schritte zu planen.“ Über die verschiedenen Hochschularten und den Studiengang „Transportation Design“ möchte er sich noch weiter im Internet und im Rahmen eines Schnupperstudiums informieren.

Auch das Stromberg-Gymnasium bietet vielfältige Möglichkeiten der Unterstützung an: Nächste Woche werden beispielsweise Studien- und Ausbildungsbotschafter im Rahmen einer Einführungsveranstaltung für die Jahrgangsstufe 1 von ihren Erfahrungen berichten und den Schülerinnen und Schülern weitere Impulse geben. Außerdem besteht an der Bundesagentur für Arbeit in Ludwigsburg ganzjährig das Angebot der individuellen Einzelberatung.

Einen Ratschlag gab Petra Hammel den Teilnehmern abschließend mit auf den Weg: „Entscheidungen haben immer eine rationale Komponente. Dabei werden auf der Basis von Informationen und Kriterien konkrete Alternativen abgewogen.“ Dennoch sei es auch wichtig, auf sein Bauchgefühl zu hören. So komme es ebenso darauf – vor allem durch Erfahrungen in Form von Praktika und persönlichen Gesprächen – der Intuition freien Raum zu lassen. Und Michael Hofer hofft, „dass das BEST-Seminar einen Betrag dazu geleistet hat, dass die Jugendlichen bald eine selbstsichere Entscheidung treffen und ihr Studium bzw. ihre Ausbildung nach dem Erwerb der allgemeinen Hochschulreife mit einer ordentlichen Portion an Optimismus und Freude beginnen können.“

Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg organisiert das Berufsentscheidungstraining BEST, das auch an anderen Gymnasien der Region angeboten wird. Schülerinnen und Schüler der Kursstufe können sich hierzu unter www.bw-best.de anmelden. Konzipiert wurde BEST von Experten der Universität Konstanz in Zusammenarbeit mit erfahrenen Beratern aus Schulen, Hochschulen und den Arbeitsagenturen. Petra Hammel und Michael Hofer planen im Übrigen bereits jetzt für das kommende Schuljahr ein weiteres BEST-Seminar am Stromberg-Gymnasium.

Bericht: Michael Hofer   

   

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