21.4.08: Exkursion zur Biogasanlage in Vaihingen
Im Rahmen des Chemie-Unterrichts besuchten die
Klasse 11a und wir, der Profilkurs Chemie Klasse 13, die Biogasanlage auf dem
Hof Dillmann am alten Ensinger Weg. Seit Oktober 2007 ist die Anlage in Betrieb
und produziert seitdem 170 m³ Biogas pro Stunde. Biogas besteht chemisch
gesehen hauptsächlich aus Methan (CH4). Täglich werden 20 t Biomasse (Gras, Getreide, Mais
und Gülle) verarbeitet, die zu 95% von den drei Betreibern der Anlage selbst
produziert werden. Die Bakterien in der Gülle initiieren den Zersetzungsprozess
im 2000 m³ großen Gärturm. Die Besonderheit des in Fachkreisen genannten
Reaktors besteht hier darin, dass er im Boden versenkt ist. Dadurch wird er
zusätzlich isoliert und stört das landschaftliche Gesamtbild nicht. Damit der
Prozess gleichmäßig abläuft, werden alle zwei Stunden automatisch 1,4 t
Biomasse aus dem unten abgebildeten roten Trichter zugeführt und die Masse alle
zehn Minuten automatisch für vier Minuten umgerührt. Das entstehende Gas
(Ausbeute 90%) wird mittels Überdruck in einen Pufferballon geleitet, der das
Gas kurzzeitig speichert. Die zurückbleibende Masse wird in den
Nachgärbehälter geleitet, um die Ausbeute noch weiter zu steigern (Gasgewinn
10%). Zurück bleiben 70% der ursprünglichen Masse die als Dünger auf die
Felder ausgebracht werden - somit ergibt sich eine Art Kreislauf, da die von
einem Hektar geerntete Biomasse so viel Gärrückstand hinterlässt, dass damit
wieder ein Hektar Feld gedüngt werden kann. Das produzierte Gas wird in einem
V12 Motor verbrannt, der einen elektrischen Generator antreibt. Dieser erzeugt
370 KW elektrische Leistung - dabei fallen 430 KW thermische Leistung als
Abwärme an. Sie wird in ein Fernwärmenetz gespeist, mit dem ein Teil des
Kleinglattbacher Neubaugebietes beheizt wird (Grundlastversorgung für ca. 500 Wohnungen). Der in der
Anlage produzierte Strom wird für 16ct/kWh ins Stromnetz der EnBW
eingespeist.
Auch die aktuelle Diskussion über den Anbau von Energiepflanzen wurde
angesprochen. Es gibt ja Befürchtungen, dass infolge des vermehrten Anbaus von
Energiepflanzen die Nahrungsmittelproduktion zu kurz kommt. Herr Dillman wies
darauf hin, dass zur Zeit in Deutschland etwa 5% der landwirtschaftlichen
Fläche für die Biogasgewinnung genutzt wird. Demgegenüber wurden in den
letzten Jahren 8% der Anbaufläche aufgegeben, um die Probleme mit der
Überproduktion von Nahrungsmitteln zu verringern. Im Übrigen ist z.B. die
Biogasgewinnung aus Energiepflanzen viel effektiver als die Gewinnung von
Bioethanol: Bei gleicher Anbaufläche ist z.B. beim Anbau von Mais die
"Energieausbeute" bei der Nutzung als Biogas dreimal so groß wie bei
der Nutzung zur Gewinnung von Bioethanol.
Vielen Dank an Herrn Dillmann für den interessanten
Einblick in ein Beispiel regenerativer Energie.
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