{"id":23783,"date":"2018-07-17T14:26:43","date_gmt":"2018-07-17T12:26:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stromberg-gymnasium.de\/?p=23783"},"modified":"2018-07-23T07:55:24","modified_gmt":"2018-07-23T05:55:24","slug":"die-kulturstarter-2018-ein-rueckblick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stromberg-gymnasium.de\/?p=23783","title":{"rendered":"Die Kulturstarter 2018 \u2013 ein R\u00fcckblick"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-23789 \" src=\"https:\/\/www.stromberg-gymnasium.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/image1.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"100\" srcset=\"https:\/\/www.stromberg-gymnasium.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/image1.jpg 350w, https:\/\/www.stromberg-gymnasium.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/image1-300x60.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-23786\" src=\"https:\/\/www.stromberg-gymnasium.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/image2.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/>Ein kleiner Kreis kulturbegeisterter Sch\u00fcler, Ehemaliger, Eltern und Lehrer nahm sich auch in diesem Schuljahr Zeit an den Angeboten der Kulturstarter teilzunehmen. Diese Initiative entstand vor vier Jahren aus dem Bed\u00fcrfnis einiger Sch\u00fcler heraus, \u00fcber das bildungsplanbezogene Angebot an Oper- und Theaterangeboten der Schule hinaus an den reichhaltigen kulturellen Angeboten vor allem der Landeshauptstadt Stuttgart teilzuhaben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Schuljahr waren die drei Bereiche Oper, Ballett und Sinfoniekonzert vertreten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fidelio<\/strong>, die einzige Oper Beethovens, er\u00f6ffnete das Dreigestirn. Wir besuchten es zusammen mit dem Musikkurs J1 von Carmen F\u00f6rnzler und einer kleinen Gruppe Ehemaliger sowie Eltern und Sch\u00fclern Ende M\u00e4rz. In der gewohnten minimalistischen B\u00fchnengestaltung erschien hier Fidelio, eigentlich Leonore, aber eben als Mann verkleidet, auf der B\u00fchne, um ihren Geliebten zu befreien. Nein, auf keinen Fall wird das eine reine Liebesgeschichte, wer Beethoven kennt wei\u00df, dass ihm so ein selbstbezogenes Wehklagen nicht reicht. Der Befreiungsakt steht nat\u00fcrlich in einem gr\u00f6\u00dferen Kontext, dem der franz\u00f6sischen Revolution, und dann ist dann noch die Tatsache zu erw\u00e4hnen, dass hier eine Frau am Werk ist, deren Mut und grenzenlose Liebe zwar die Stellschrauben sind. Doch betreibt sie damit \u2013 nicht wissend \u2013 zugleich Politik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer musikalisch die Entladungen von Energie im Ohr hat, die sich in Beethovens Sinfonik vollzieht, musste an diesem Abend mehr Geduld f\u00fcr einen Beethoven aufbringen, der Figuren wie z.B. den gefangenen Florestan in aller D\u00fcsterkeit klangfarblich entfaltet. Effekthascherei ist aber auch f\u00fcr die in das kleinb\u00fcrgerliche Alltagsleben eingebundenen Figuren wie Marzelline, die Tochter des Gef\u00e4ngnisw\u00e4rters Rocco kein Mittel, das f\u00fcr Beethoven in Frage k\u00e4me.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur\u00fcck zur B\u00fchne in Stuttgart: In der Mitte steht ein grauer Kubus mit Sehschlitz, von der Decke h\u00e4ngen 25 Mikrophone fein s\u00e4uberlich in Reihen aufgeh\u00e4ngt. Der gesprochene und gesungene Text erscheint \u00fcber dem Kubus etwas zeitversetzt, n\u00e4mlich als Schreibmaschinenmitschrift der gesungen Worte. Da \u00dcberwachung allein nicht ausreicht, ver\u00e4ndert der mitschreibende und zugleich unsichtbare Protokollant den Text an Stellen, die sozusagen unter die Zensur fallen. Und so kann ein nachempfundenes historisches Ereignis aktueller denn je werden. Genau an der Stelle wird es spannend, wo doch wieder ein Ankn\u00fcpfungsmoment individuelle (eben menschliche) oder gesellschaftliche Themen un\u00fcbersehbar wird. Dar\u00fcber werden auch unsere zum Teil opernerfahrenen Oberstufensch\u00fcler nachgedacht haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das <strong>6. Sinfoniekonzert<\/strong> im April dieses Jahres bot dem Publikum gleich zwei Komponisten ein Podest, die mit dem Stuttgarter Orchester als Dirigenten und Haus- und Hofkomponisten verbunden waren: Richard Strauss und Hans Werner Henze. Henzes Orchesterwerk \u201eLa selva incanata\u201c (1991), \u00fcbersetzt \u201eDer verwunschene Wald\u201c, besitzt eine fesselnde Klangsprache von zauberhaften zarten, sch\u00f6nheitsliebenden Kl\u00e4ngen bis hin zu rhythmischen,\u00a0 durchpulsierenden Tanzwelten, die Tod und Vernichtung zu bringen scheinen. Liest man den Text der zugrundeliegenden Arie aus Henzes Oper \u201eK\u00f6nig Hirsch\u201c (1956), so lassen sich diese Klangwelten nachempfinden: \u201eWas f\u00fcr eine sch\u00f6ne Stimme h\u00f6re ich, sie ruft mich ohne Dauer.\u201c Hier kommt die Sehnsucht des Titelhelden nach dem Wald, der Natur, nach den Urspr\u00fcngen der tierischen Existenz zum Ausdruck. Ein paar Zeilen sp\u00e4ter hei\u00dft es: \u201eWenn ich mich festhalten will an ihr, zerschneidet sie meine H\u00e4nde\u201c. In diesen imagin\u00e4ren Gegenwelten bewegt sich Henzes Musik. Sch\u00f6nheit gibt es nicht ohne die Wahrnehmung der Dunkelheit. Diese Idee erinnert an Mahlers Gegenwelten, doch seine Klangsprache auch sehr an B\u00e9la Bartoks \u201eKonzert f\u00fcr Orchester\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die dann folgende Komposition von Richard Strauss liegt in diesem Spannungsfeld von Sch\u00f6nheit und Dunkelheit, denn ihre lyrische Grundhaltung reagiert auf den traumatisierenden historischen Hintergrund von Weltkrieg und Zerst\u00f6rung. Die \u201eVier letzten Lieder\u201c entstanden 1948 und sind zugleich das letzte kompositorische Verm\u00e4chtnis Richard Strauss\u2018, sozusagen sein Abschiedsgesang. Erdenschwere liegt in den Worten Hesses und Eichendorffs vom m\u00fcden Wanderer, die den Abschied von der Welt beschw\u00f6ren, und die weit gespannten Linien dieser wunderbaren sinfonischen Musik verweisen den H\u00f6rer auf den \u00dcbergang in die Transzendenz. Das Staatsorchester Stuttgart spannte diese weiten B\u00f6gen, \u00fcber denen sich die Sopranstimme Simone Schneiders wundervoll entfalten konnte. Strauss selbst dirigierte in den 20er Jahren das Stuttgarter Orchester einige Male in der Liederhalle, zuletzt 1933 seine \u201eAlpensinfonie\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den H\u00f6hepunkt bildete an diesem Abend Gustav Mahlers 1. Sinfonie (1889), mit der er den Grundstein eines Schaffens legte, welches an der Sinfonik Beethovens ankn\u00fcpft und diese an die Schwelle der musikalischen Moderne f\u00fchrt. Wir befinden uns hier in einer ganz anderen Welt: Die Beziehung zwischen Mensch und Natur ist zerbrochen und auch die Musiksprache von Klassik und Romantik ist nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich. Mahlers Musik arrangiert musikalische Zitate zu Collagen, seien es die Selbstzitate aus den \u201eLiedern eines fahrenden Gesellen\u201c, seien es Klischees musikalischer Naturstimmung aus der sinfonischen Tradition (Vogelstimmen, Jagdmusik). Im 3. Satz wird dieser verfremdende Stil grotesk zugespitzt: Der Kontrabass spielt in einer herzzerrei\u00dfenden Verfremdung das Lied \u201eBruder Jakob\u201c, er wird erweitert zur Parodie eines \u201eTrauermarschs\u201c. Ein seit Beethoven erwartetes triumphales Ende wird zwar zuletzt noch geboten, doch wirkt auch dies mit theatralischen Mitteln vorgef\u00fchrt, es ist Musik \u00fcber den Stil eines Symphoniefinales. Mahler ist die Selbstverst\u00e4ndlichkeit abhandengekommen, dass der Mensch mit sich im Reinen ist und in \u00dcbereinstimmung mit Welt und Natur lebt. Das seit Beethovens Symphoniekonzept stets in Aussicht gestellte sieghafte gute Ende aller Konflikte kann daher nicht mehr verl\u00e4sslich eingel\u00f6st werden. Vielmehr thematisiert Mahlers Musik die Zerrissenheit der menschlichen Welt- und Selbstbeziehung in der industriellen Moderne. Die Auff\u00fchrung unter der Leitung des jungen Dirigenten Daniele Rustioni verband die vielen Einzelheiten und Br\u00fcche dieser komplexen Musik zu einem gro\u00dfen Spannungsbogen, der in einer h\u00f6chst eindr\u00fccklichen Schlussapotheose gipfelte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sch\u00fcler der Jahrgangsstufen 1 und 2, die Oliver Bertrams in das Konzert begleitet hatte, lie\u00dfen sich auf das f\u00fcr Sch\u00fcler doch sehr gro\u00dfe Klangabenteuer dieses Abends mit Interesse ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem <strong>Ballett \u201eSchwanensee\u201c<\/strong> stand in diesem Jahr eines der ber\u00fchmtesten Ballettst\u00fccke auf dem Programm, das am 6. Mai in der legend\u00e4ren Inszenierung des viele Jahre in Stuttgart wirkenden Choreographen John Cranko aus dem Jahr 1963 zu sehen war. Sicher, \u201eSchwanensee\u201c ist der Inbegriff f\u00fcr <em>den<\/em> klassischen Tanz und man muss ihn m\u00f6gen oder alternativ modernes Ballett als Einstieg in das Genre versuchen. (Dann sind es <strong>F<\/strong>ormationen, <strong>F<\/strong>arben und <strong>F<\/strong>ormen, die beeindrucken, &#8211; auch hier hat das Ballett Stuttgart Wunderbares zu bieten). Doch wer sich einlie\u00df auf diese klassische Darstellungswelt, wurde an diesem Abend belohnt mit einer einzigartigen Darbietung der Liebestrag\u00f6die um den Prinzen Siegfried und der Prinzessin Odette, die \u2013 von K\u00f6nig Rotbart verzaubert &#8211; als wei\u00dfer Schwan ihr Dasein fristet und lediglich nachts ihre wahre Gestalt annehmen darf. Siegfrieds aufrichtige Liebe k\u00f6nnte sie befreien, w\u00e4re da nicht Odile. Aber eigentlich ist Siegfried selber schuld, da er den \u00e4u\u00dferen Schein Odiles, die Odette bis aufs Haar gleicht, fokussiert: sie gleicht Odette, allein die Farbe schwarz ist hier an die Stelle der Farbe wei\u00df getreten, aber ihr dunkles Wesen dringt nicht in Siegfrieds Wahrnehmung, eben: der Schein tr\u00fcgt. Die beiden Frauenfiguren werden von einer einzigen T\u00e4nzerin getanzt, in der sich damit zwei kontr\u00e4re Charakter abwechselnd manifestieren: die wei\u00dfe Unschuld und der schwarze D\u00e4mon, die sich nur an der Oberfl\u00e4che gleichen. Der wei\u00dfe Schwan, Odette, wird gezeichnet mit langsamen und eleganten Bewegungen, der schwarze Schwan, Odile, zeigt eine selbstsichere Frauenfigur: feurige und verf\u00fchrerische Bewegungen machen ihn aus. \u00a0Mit\u00a0 Cranko endet dieses M\u00e4rchen tragisch: Siegfrieds Verwechslung endet mit dem Tod der beiden Liebenden. Tschaikowskys Musik ist sehr facettenreich und birgt in sich eben mehrere Ebenen: vom oberfl\u00e4chigen h\u00f6fischen Gebahren bis hin zur psychologischen Zeichnung des Prinzen, der anfangs von Sinnen ist in seiner Liebe zu Odette und am Ende in Liebe mit ihr vereint mit ihr zusammen gehen muss. Sehr stark sind in Crankos Inszenierung auch die Gruppenszenen, in denen das Corps de ballet beindruckt durch feinste symmetrische Formen, die immer in Bewegung bleiben. Auch hierzu lie\u00dfe sich vieles sagen, allein eine Deutungsfacette sei erw\u00e4hnt: diese Gruppenszenen haben vielleicht u.a. die eine Botschaft, dass wir alleine verloren sind, vom Sterben bedroht. Die Individualit\u00e4t will sich einf\u00fcgen zugunsten einer gr\u00f6\u00dferen Idee.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Ballettabend war nachhaltig in seinen Eindr\u00fccken. 2017 war es Crankos Inszenierung von \u201eRomeo und Julia\u201c, das entr\u00fcckende Wirkungen hinterlie\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein herzliches Dankesch\u00f6n gilt den KollegInnen, die die Durchf\u00fchrung der Angebote unterst\u00fctzt haben, in diesem Jahr Frau F\u00f6rnzler und Herrn Bertrams.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im n\u00e4chsten Schuljahr geht es weiter mit einem neuen f\u00fcr Sie\/euch ausgew\u00e4hlten Angebot! Lassen Sie sich \/ihr euch \u00fcberraschen!<\/p>\n<p><em>Bericht: Barbara Hartmann,\u00a0<\/em><em>Oliver Bertrams<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein kleiner Kreis kulturbegeisterter Sch\u00fcler, Ehemaliger, Eltern und Lehrer nahm sich auch in diesem Schuljahr Zeit an den Angeboten der Kulturstarter teilzunehmen. 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