Perfekte Paare arbeiten an Nachhaltigkeit und sozialem Zusammenhalt

Zum zweiten Mal sind Schülerinnen und Schüler des Stromberg-Gymnasiums an der Peder Skrivares skola im schwedischen Varberg zu Gast

Schon bei der Ankunft am späten Montagabend am Bahnhof im schwedischen Varberg wird deutlich: Die Zusammenstellung der Paare für den diesjährigen, vom EU-Förderprogramm Erasmus+ unterstützten Austausch zwischen der Peder Skrivares skola und dem Stromberg-Gymnasium in Vaihingen hat hervorragend funktioniert. Einer der deutschen Schüler begrüßt seinen schwedischen Gastgeber bei der Ankunft am Bahnhof in Varberg wie einen alten Freund. Eine Vaihinger Schülerin sieht ihrer Partnerin so ähnlich, auch im Kleidungsstil, dass man beide für Schwestern halten könnte. Eine weitere wird am Ende der Woche berichten, sie habe mit ihrer Austauschpartnerin so intensive Gespräche geführt, dass sie nun erstmal Schlaf nachholen müsse. Die beiden Varberger Lehrerinnen Caroline von Bahr und Malin Janko Enander haben bei der Paarbildung ein gutes Gespür bewiesen.

Auch das Wetter meinte es gut mit der Schülergruppe aus Vaihingen und ihren beiden Begleitlehrkräften Mareen Ochmann und Christoph Schüly. Die Sonne tauchte die rund 35000 Einwohner zählende Stadt an der schwedischen Westküste in warmes Licht, als die Gäste am Dienstagmorgen von Varberger Schülerinnen und Schülern über den weitläufigen Campus geführt wurden, inklusive schuleigenem Fitnessstudio. Wirkt sich die Weitläufigkeit des Campus auch auf die Gestaltung des Unterrichts aus? Davon konnten sich die Vaihingerinnen und Vaihinger in den folgenden Stunden einen Eindruck verschaffen. Und tatsächlich: Die großzügigen Gruppenräume bieten Platz für freie Arbeitsformen, etwa für eine Book-Club-Diskussion im Englisch-Unterricht, die die Schülerinnen und Schüler mit ihren Tablets aufnehmen und die anschließend von der Lehrerin ausgewertet wird.

Führung über das Gelände der Peder Skrivares skola

Nach diesem sanften, eher beobachtenden Einstieg waren am Mittwoch voller Einsatz und volle Konzentration gefragt: Auf dem Programm stand ein „Megagame“, das der Übersetzer und Spieleentwickler Magnus Persson gemeinsam mit Lehrenden der Universität Linköping ausgearbeitet hat und das Nachhaltigkeit, Konsumverhalten und globale Zusammenhänge erlebbar macht. Die deutschen und die schwedischen Schülerinnen und Schüler nahmen die Rollen unterschiedlicher gesellschaftlicher Akteure ein, etwa von Konsumenten, Produzenten, Regierungsmitgliedern sowie Journalisten, und traten miteinander in Verhandlungen. Das gemeinsame Ziel: Schweden bis 2045 klimaneutral zu machen und sicherzustellen, dass alle Bereiche der Gesellschaft bis 2060 nachhaltig agieren. Nach mehreren Spielrunden hatten die Schülerinnen und Schüler erkannt, wie schwer die Einhaltung der planetaren Grenzen und die Wahrung des gesellschaftlichen Gleichgewichts miteinander vereinbar sind – und im Idealfall auch ein Gespür dafür entwickelt, welche individuellen Entscheidungen diesen Zielen dienlich sind.

Presse-Update beim Megagame

Einen festen Standpunkt einzunehmen, ist eine Sache – andere davon zu überzeugen eine andere. Wie das gelingen kann, war Thema am Mittwochmorgen. Danielle Cudmore, Dozentin an der Universität Halmstad, und Sprachwissenschaftler Joel Landberg gaben zunächst einen kenntnisreichen und zugleich humorvollen Einblick in die Grundlagen der Rhetorik. Noch vor der Mittagspause hieß es dann für die Schülerinnen und Schüler, die neu erworbenen Kenntnisse selbst anzuwenden und ein Eröffnungsstatement für eine Debatte vorzubereiten. Am Nachmittag stand ausreichend Zeit zur Verfügung, sich in Gruppen vertieft in einen Aspekt rund um das Oberthema „Sozialer Zusammenhalt“ einzuarbeiten und dazu einen Debattenbeitrag vorzubereiten. Am Freitagvormittag galt es dann, die eigene Argumentation strukturiert, stichhaltig und überzeugend – und selbstverständlich auf Englisch – vor der gesamten Gruppe am Rednerpult darzulegen. Inhaltlich ging es etwa um folgende Fragen: Soll Englisch künftig die einzige Amtssprache in der EU sein? Soll die Fast-Fashion-Industrie zu verantwortungsvollerem Handeln verpflichtet werden? Und: Sollen Wohlhabende mehr zum Allgemeinwohl beitragen? Darüber stimmten die Schülerinnen und Schüler jeweils ab, nachdem sie die Argumente beider Seiten gehört hatten.

Der letzte Nachmittag in Varberg bot mit der Erkundung eines Wahrzeichens, der Festung Varberg, einen Höhepunkt: „Varbergs Fästningens“ wurde noch vor hundert Jahren als Gefängnis genutzt, heute befinden sich unter anderem ein Museum und eine Jugendherberge darin. Dank des interaktiven Stils der Festungsführerin, die die Schülerinnen und Schüler unterschiedliche Mitglieder der schwedischen und dänischen Königshäuser darstellen ließ, erwiesen sich die rund anderthalb Stunden als so informativ wie kurzweilig. In einem beliebten Varberger Restaurant wartete mit dem schwedischen Nationalgericht Köttbullar, natürlich mit Kartoffelpüree und Preiselbeeren, eine kulinarische Köstlichkeit auf die Gruppe. Im Rahmen einer von den schwedischen Schülerinnen und Schülern organisierten Party außerhalb Varbergs wurden am späteren Abend die noch frischen Freundschaften vertieft.

Der Samstag brachte einen etwas späteren Start als an den vorherigen Tagen und die Gelegenheit zu einem ausgiebigen Frühstück, bevor es an der Westküste entlang weiter Richtung Norden nach Göteborg ging. Als erste Station empfahl sich am Samstagnachmittag das Universeum, eine Art schwedische „Experimenta“, in der in einer riesigen Glashalle eine Nachbildung des tropischen Regenwaldes erforscht werden kann. Erklärt und auf unterhaltsam-informative Weise illustriert werden aber auch Raketenwissenschaften, die Unterwasserwelt oder die Funktionen des menschlichen Körpers.

Der tropische Regenwald im Göteborger „Universeum“

Am Sonntagvormittag präsentierte sich Göteborg zwar kühler als am Tag zuvor, die Temperaturen gestatteten aber einen Stadtrundgang, der an der Statue des Stadtgründers König Gustav II. Adolf begann und an Sehenswürdigkeiten wie der Deutschen Kirche, dem Stadtmuseum und dem Opernhaus vorbei zum Lilla Bommen führte, dem kleinen Hafen mit dem darin fest vertäuten Großsegler Barken Viking. An der „Fischkirche“ vorbei ging es dann über das historische Stadtviertel Haga und die Festung Skansen Kronan zur Kungsportavenyn, der Flaniermeile Göteborgs. Hier bestand die Möglichkeit, noch letzte Souvenirs zu erwerben, bevor am nächsten Morgen die Heimreise angetreten wurde. Sie erwies sich mit mehreren längeren Zugfahrten und einem Flug von Kopenhagen nach Frankfurt zwar als langwierig, schließlich trafen aber alle wieder wohlbehalten am Vaihinger Bahnhof ein. Und freuten sich nach der ereignisreichen Woche erstmal auf zuhause, aber auch auf den Besuch der neu gewonnenen Freundinnen und Freunde im März 2027 in Vaihingen.

Bericht: Sy, Fotos: Sy, Om