Schülerinnen und Schüler des Stromberg-Gymnasiums stellen im Kunstunterricht entstandene Figuren bei Sämann aus.

Der rechte Fuß des Fußballspielers steht fest auf dem Boden, während er mit dem linken ausholt, um den Ball abzuspielen. Eine Frau im Kleid, die frappierende Ähnlichkeit mit Mary Poppins hat, steht ebenfalls auf einem Bein, während sie einen roten Luftballon an einer Schnur festhält, der über ihrem Kopf schwebt. Ein Fallschirmspringer gleitet in Rückenlage auf ein Wolkenmeer zu, das bereit ist, ihn aufzufangen. Alle diese Figuren haben mehrere Gemeinsamkeiten: Sie sind in Bewegung. Sie sind nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Gips und Draht. Sie sind im Kunstunterricht der Klassenstufe sieben am Stromberg-Gymnasium entstanden. Und sie sind derzeit im Rahmen einer Ausstellung in der Sportabteilung des Vaihinger Kaufhauses Sämann zu bewundern – und teilweise sogar käuflich zu erwerben.
„Wir freuen uns immer, wenn wir Gäste im Haus haben“, sagt Brigitte Sämann von der Geschäftsleitung zu Beginn der Vernissage am Freitagabend. Von der Idee, die Exponate der Schülerinnen und Schüler in einer Ausstellung zu präsentieren, sei sie deshalb sofort angetan gewesen. Dagmar Haug, Lehrerin für Bildende Kunst (BK), war damit auf sie zugekommen. Gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern habe sie dann den Rahmen dafür geschaffen.
Die Siebtklässlerinnen Juliane, Dorothea, Marlene und Esther erläutern die Genese des Projekts „Figuren in Bewegung“: Zunächst hätten sie im BK-Unterricht einiges über Plastiken von der Steinzeit bis heute gelernt sowie über die Proportionen des menschlichen Körpers. Die eine oder andere Information habe sie überrascht: „Ein Fuß ist etwa so lang wie ein Unterarm, der Kopf würde ungefähr sieben Mal in den Körper passen.“ Diese Proportionen hätten sie zunächst zeichnerisch dargestellt, bevor es anschließend ans Biegen der Drahtgestellte für die Skulpturen sowie schließlich ans Eingipsen ging. „Wir haben viel Zeit, Liebe und Arbeit in unsere Figuren investiert“, bringen es die Schülerinnen auf den Punkt. Die Mühe habe sich aber gelohnt, findet Esther – nun, da die Exponate in einer Ausstellung zu sehen sind: „Ich feier’s!“
Dabei war ihr während des Projekts gar nicht immer nach Feiern zumute. Sie habe nämlich gemerkt, „wieviel Arbeit dahintersteckt“, verrät sie, als sie ihre Skulptur vorstellt – eben jenen Fallschirmspringer, der rücklings in ein Wolkenmeer fällt. „Ich habe gelernt, richtig fein zu arbeiten“, resümiert die Schülerin. Besonders schwierig sei es gewesen, den Kopf zu befestigen, „der vermutlich nicht ganz sieben Mal in den Körper passt“, wie sie selbstkritisch anmerkt. Dennoch sei die Figur sehr gelungen, bestätigt Lehrerin Dagmar Haug. Als Kriterien habe sie bei der Benotung zugrunde gelegt, ob die Proportionen stimmten, ob die Figur eine deutlich sichtbare Bewegung zeige und ob insgesamt genau und detailreich gearbeitet worden sei. Viele Schülerinnen und Schüler hätten sich bei der Gestaltung ihrer Figur von ihren eigenen Sportarten inspirieren lassen, so Haug. Manchmal habe sie sie in ihrem Eifer sogar bremsen müssen. So habe eine Schülerin einen Reiter auf einem Pferd anfertigen wollen: „Das waren mir dann ein bisschen viele Figuren in Bewegung.“

Mara hat sich bei ihrem Lieblingsmusical Anregungen für ihre Figur geholt und sie an Mary Poppins angelehnt: „Ich habe mir überlegt: Welche Szenen fand ich besonders?“ So entstand schließlich die Figur, die auf einem Bein steht und einen roten Luftballon über ihren Kopf hält, um damit in die Lüfte zu entschweben – eine Abwandlung der Schlussszene des Films „Mary Poppins‘ Rückkehr“ (2018), in der die Protagonistin zwar einen ebensolchen Luftballon geschenkt bekommt, dann aber doch wie gewohnt mit ihrem Regenschirm abhebt. Am meisten Spaß gemacht hat Maja das Projekt, „als die Figur immer mehr Form angenommen hat und ich gesehen habe, dass sich die Arbeit gelohnt hat“. Am mühsamsten sei das Hantieren mit dem Draht gewesen, „weil man die Bewegung noch nicht erkannt hat“.
Das Highlight des Projektes sei für sie „der Prozess“ gewesen, bilanziert Marlene auf Nachfrage der Schulleiterin Katja Kranich: „Wir haben uns natürlich besonders angestrengt, weil wir wollten, dass für die Ausstellung ein schönes Produkt entsteht.“ Die Antwort macht Eindruck bei Kranich. Sie findet es „faszinierend, welcher Motivationsschub entsteht, wenn man das Lernen und das Lernprodukt in den öffentlichen Raum verlagert“, so die Schulleiterin.
Besonderen Grund zur Freude gibt es am Abend der Vernissage dann noch für Eva. Sie habe ursprünglich eine Cheerleaderin modellieren wollen, das sei dann aber doch zu kompliziert gewesen. Schließlich sei eine Ballerina daraus geworden. Die Verkaufschancen hat das nicht beeinträchtigt: Die Figur ging für 27 Euro über den Ladentisch der Sportabteilung. Was Eva mit dem Geld vorhat? „Ich spar’s wahrscheinlich.“
Bericht und Fotos: Sy
Info: Die Ausstellung ist noch bis 21. Februar in der Sportabteilung des Kaufhauses Sämann zu sehen.



