Improvisations-Workshop mit dem Soundrise Quartet
„Open your ears – you can fly!“ – unter diesem Motto trafen sich knapp 30 musikbegeisterte Schülerinnen und Schüler aus den Klassenstufen 6 bis J1 der beiden Vaihinger Gymnasien Ende Februar in der Vaihinger Peterskirche, um unter der künstlerischen Leitung des Soundrise Quartets Improvisationserfahrungen auf ihrem jeweiligen Instrument zu sammeln.
Ein spannendes Unterfangen, das allen Beteiligten zunächst zweierlei abverlangte: die Fähigkeit zuzuhören und den Mut, Neues zu wagen. Dass alle Teilnehmenden diese beiden Voraussetzungen mitgebracht hatten, davon konnten sich die vier leitenden Quartettmitglieder rasch selbst überzeugen. Denn egal ob die jungen Vaihinger Musikerinnen und Musiker das erste Mal überhaupt ohne Noten spielten oder bereits zuvor auf ihrem Instrument improvisiert hatten: die ganze Gruppe einte eine große Offenheit und Neugier in Bezug auf diese beiden ganz außergewöhnlichen Schultage.
Nach einer kurzen musikalischen Vorstellung des Soundrise Quartets, dem persönlichen Kennenlernen der Bandmitglieder und auch der Schülerinnen und Schüler sowie einem rhythmusgeprägten Warming-Up boten die vier Improvisations-Profis dem Vaihinger Musikernachwuchs viel Raum und Zeit zum freien Improvisieren auf ihren Instrumenten. Und hierbei war von Posaune bis Klarinette, von Gitarre über Klavier bis hin zu Cello und Querflöte eine ganze Bandbreite an Klängen enthalten.

Mit bildreicher Sprache und hilfreichen Tipps auch aus dem (in diesem Kontext ganz und gar nicht trockenen) Bereich der Musiktheorie animierten die vier Leitenden die Schülerinnen und Schüler zu eigenem Ausprobieren von neuen, unerhörten Klängen. Mit großem Erfolg, was die durchweg hohe Konzentration, das anhaltende Interesse und auch die gute und wertschätzende Gesamtstimmung unter den Workshopteilnehmenden bewies, die sich großteils zuvor noch nie begegnet waren.
Maßgeblich trugen hierzu die sowohl künstlerische als auch pädagogische Professionalität und die Begeisterungsfähigkeit der vier Soundrise-MusikerInnen Stephanie Lepp (Querflöte und Bansuri), Levan Andria (Violoncello), Marko Mrdja (Klavier) und Kurt Fuhrmann (Schlagzeug) bei, für die Improvisation auch in ihrem eigenen künstlerischen Schaffen einen hohen Stellenwert einnimmt. Egal ob bei ganz freiem Improvisieren oder dem kreativen Mitgestalten von Kompositionen aus der Feder des Soudrise Quartets wie „Wellen“, „Wolkenflug“ oder „Taubenruf“ – die eigene Fantasie einerseits, gutes Zuhören und ein Gefühl für die Gruppe andererseits waren stets gefragt.
In einem stimmigen Wechsel zwischen Tutti-Phasen und dem Arbeiten in instrumenten- und altersgeteilten Gruppen, wo neben der Vaihinger Peterskirche auch Räume der Jugendmusikschule Vaihingen an der Enz mitbenutzt werden durften, vergingen die beiden Workshop-Vormittage buchstäblich wie im Flug. Den ersten Höhepunkt bildete dann ein Schülerkonzert vor vollem Publikum gegen Ende des zweiten Workshoptages: Vor einer vollbesetzten Peterskirche durften die sechsten Klassen beider Schulen im Rahmen ihres Musikunterrichts ein einstündiges Kooperationskonzert miterleben, das abwechselnd das Soundrise Quartet alleine sowie (bei einem Großteil des Programms) auch die Workhopteilnehmenden mitgestalteten. Das Publikum selbst war ebenfalls zum Mitmachen eingeladen und die Vaihinger Sechstklässlerinnen und Sechstklässler klatschten und schnipsten bestens aufgelegt im eigentlich eher ungewohnten 5/4-Takt – Musik vereint und macht gute Laune!
Am Abend folgte ein zweiter Höhepunkt, als in einem öffentlichen Konzert bei insgesamt vier Titeln ebenfalls Workshopteilnehmende aktiv mit auf der Bühne beschäftigt waren. Die intensive und mitreißende Gesamtstimmung des Konzerts, die Spielfreude von Profis und Jugendlichen und das beeindruckende Miteinander aller Beteiligten ließen das Publikum begeistert und anhaltend applaudieren. Und es wurde offensichtlich, dass dieses von den Bandmitgliedern gemeinsam mit dem Kulturbereich der Stadtverwaltung Vaihingen an der Enz und den Fachschaften Musik von Stromberg-Gymnasium und Friedrich-Abel-Gymnasium gemeinsam geplante Projekt ein absoluter Erfolg war.
Bereits jetzt denken die Projektmitglieder daher über eine mögliche Fortsetzung beispielweise im Rahmen der anstehenden Bürgergartenschau 2029 nach. Das eingangs erwähnte Motto des Workshops erwies sich somit hör- und sichtbar als perfekt gewählt: Sich einlassen auf ungewohnte Wege, anderen gut zuhören und eigene Schritte wagen, selbstbewusst und fantasievoll, aber stets im Zusammenklang mit der Gruppe – das verleiht wirklich Flügel!
Bericht: Fö, Fotos: Peter Pöschl, Fö




















Abschließend Stimmen einzelner Teilnehmender zum Workshop „Open your ears – you can fly!“:
Schülerinnen und Schüler:
„Improvisieren ist Freiheit.“
„Improvisieren ist wie Vorfreude auf einen Urlaub in einem fernen Land, in dem man noch nie war.“
„Man kann durch die Töne die anderen besser kennenlernen.“
„Am Anfang war es schwierig; aber als wir die Tonleitern als Hilfe hatten, hat es voll Spaß gemacht.“
„Man muss gut auf die anderen hören, spüren, was passt.“
„Man erlebt sich selbst in der Gemeinschaft.“
„Alleine auf meinem Instrument habe ich schon öfter improvisiert, aber das Improvisieren in der Gruppe war für mich eine ganz neue Erfahrung; ich habe sehr viel für mich mitgenommen – zum Beispiel, auf die anderen zu hören und auf ihre Ideen zu reagieren.“
„Wir hatten echt voll die gute Zeit miteinander.“
„Das gemeinsame Musizieren im Gewölbekeller fand ich am schönsten.“
„Ich hätte nicht gedacht, dass man auch (nur) durch Improvisieren so viel schaffen kann.“
„Ich fand es toll, dass wir am Konzertabend bei so vielen Stücken mitspielen durften.“
„Es hat voll Spaß gemacht.“
„Ich mag es schon immer, eigene Sachen zu spielen und nicht nur auf die Noten zu schauen; bisher war ich damit immer allein, und hier habe ich endlich habe andere Leute kennengelernt, die genauso vorgehen wie ich beim Musizieren.“
„Dass wir auch andere Jugendliche kennengelernt haben, auch von der Nachbarschule, fand ich sehr schön.“
„Das Arbeiten in geteilten Gruppen für Ältere und Jüngere hat mir besonders viel gebracht.“
„Ich habe im nächsten Klavierunterricht davon erzählt und mit meiner Lehrerin bzw. meinem Lehrer ganz lange darüber geredet.“
„Die Musiker waren alle so menschlich, so höflich, haben uns so unglaublich gut zugehört, das hat mich sehr beeindruckt.“
„Das Musizieren in den geteilten Gruppen hat mir am besten gefallen und dieses Spiel mit ‚vier musizieren, einer rein – einer raus‘ – das war toll!“
„Ich hatte bisher noch nie ohne Noten gespielt und es war eine tolle Erfahrung für mich; mit meiner Schwester hatte ich schon oft zu Hause probiert, mit Noten etwas zusammen zu spielen und es hat nie so richtig geklappt. Nach dem Workshop haben wir es mal ohne Noten ausprobiert, ganz frei – das war viel schöner!“
„Die Tipps von den Leitern waren super und sie waren alle so nett.“
„Dass man mit so vielen verschiedenen Instrumenten so gut zusammenspielen kann, das hätte ich nie gedacht – und wir kannten uns ja alle vorher auch gar nicht. Aber es war schön und hat richtig gut geklappt!“
„Kommen die noch mal wieder? Ich kenne einige Mitschülerinnen und Mitschüler, denen das auch voll gut gefallen hätte!“
„Bisher habe ich noch nie ohne Noten gespielt und es war daher total neu für mich; ich fand es sehr interessant und habe viel gelernt, mehr als an zwei normalen Tagen an der Schule.“
Frau Förnzler:
„Die Teilnehmenden haben unglaublich viel mitnehmen können und sind so gewachsen in diesen Tagen, nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich: anderen zuhören und auf sie reagieren, sich einbringen allein und in der Gruppe, Initiative ergreifen, eigene Ideen entwickeln, Strukturen überlegen und sich als Gruppe darauf einigen, mutig und selbstbewusst handeln und dabei stets die Gemeinschaft im Blick haben – was unsere Schülerinnen und Schüler hier innerhalb der Musik gelernt und ausprobiert haben, das sind Fähigkeiten, die sie auch insgesamt in ihrem Leben weiterbringen!“