Zwei Kolleginnen des Stromberg-Gymnasium erhalten wertvolle Einblicke in den niederländischen Schulalltag
Im Rahmen des Erasmus+-Programms hatten wir, Frau Rühle und Frau Durst, die Möglichkeit, ein Job Shadowing am Bornego College in Heerenveen (Niederlande) durchzuführen. Ziel dieses Aufenthalts war es, neue Impulse für die Weiterentwicklung unseres eigenen Unterrichts sowie der Schulentwicklung zu gewinnen.
Ein Schwerpunkt unseres Besuchs war die Hospitation in verschiedenen Unterrichtsfächern wie Geographie, Biologie, Sport, Französisch und Geschichte. Diese Einblicke ermöglichten es uns, unterschiedliche Unterrichtsstile, Lehr- und Lernmethoden sowie den Umgang mit aktuellen Themen wie Künstlicher Intelligenz und Smartphonenutzung im Schulalltag kennenzulernen. Auch der kollegiale Austausch mit den niederländischen Lehrkräften war für unsere schulische Weiterentwicklung sehr aufschlussreich.

Besonders neugierig waren wir dem schuleigenen Lernkonzept gegenüber, welches aus insgesamt drei unterschiedlichen „Zonen“ besteht, die wiederum verschiedene Elemente des klassischen Unterrichts und Elemente des selbstorganisierten Lernens miteinander kombinieren. Spannend dabei war nicht nur die Verknüpfung verschiedener Lernbedürfnisse und Differenzierungsmöglichkeiten, sondern auch die organisatorische Verwaltungsstruktur, die dazu notwendig ist, kennenzulernen.
Darüber erhielten wir Einblicke in das Unterrichtsformat „Learning on a Square“, das gezielt zur Förderung der Schülerinnen und Schüler in unterschiedlichen Unterrichtsfächern eingesetzt wird und individuelle Unterstützung bietet. So kann gezielt auf die Lernschwierigkeiten, aber auch Unterstützung leistungsstarker Schülerinnen und Schüler eingegangen werden.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Interviews mit verschiedenen Mitgliedern der Schulgemeinschaft, darunter die Schulleitung, die Schülerkoordination sowie Vertreterinnen und Vertreter der Schulentwicklungsgruppe. In diesen Gesprächen erhielten wir wertvolle Einblicke in die pädagogische Vision der Schule sowie konkrete Anregungen für die mögliche Umsetzung ähnlicher Konzepte an unserer eigenen Schule.
Auch der Austausch mit Schülerinnen und Schülern war ein wichtiger Bestandteil unseres Aufenthalts. Sie berichteten von ihren Erfahrungen mit den unterschiedlichen Lernformaten wie der I-Zone, der Flexzone und der Study Zone, die ihnen ein hohes Maß an Eigenverantwortung und individuellem Lernen ermöglichen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt war die gut durchdachte digitale Infrastruktur sowie deren organisatorische Einbettung in den Schulalltag. In diesem Zusammenhang wurde auch die Bedeutung eines reflektierten Umgangs mit digitalen Medien wie iPads und Smartphones hervorgehoben. Hier sehen wir für unsere eigene Schule großes Potenzial, insbesondere im Bereich der Förderung von kritischem Denken.

Aus unserem Aufenthalt konnten wir zahlreiche Erkenntnisse mitnehmen: Besonders deutlich wurde, wie wichtig es ist, Schülerinnen und Schüler aktiv in ihren Lernprozess einzubeziehen und ihnen Verantwortung für ihr eigenes Lernen zu übertragen. Die Schule zeigte eindrucksvoll, wie die „21st Century Skills“ praktisch umgesetzt werden können.
Nicht zuletzt wurde uns erneut bewusst, wie entscheidend eine positive Lehrer-Schüler-Beziehung für ein gelingendes Lernumfeld ist. Die beobachteten Unterrichtssituationen verdeutlichten den Unterschied zwischen lehrerzentrierten und schülerzentrierten Ansätzen und zeigten Wege – aber auch dabei auftretende Schwierigkeiten – auf, wie Lernende motiviert werden können, Verantwortung für ihren eigenen Lernfortschritt zu übernehmen.
Die Erfahrungen des Job Shadowing in den Niederlanden haben deutlich gemacht, wie bereichernd ein Perspektivwechsel sein kann. Der Einblick in ein anderes Schulsystem und in eine andere Schule haben uns viele wertvolle Impulse und Denkanstöße für gemeinsames schulisches Lernen ermöglicht. Ebenso hat es bestätigt, dass die Schule als Lernort von Offenheit, Austausch und stetiger Weiterentwicklung lebt. Die Beobachtungen und gewonnenen Erfahrungen sollen daher als Anregung dienen, das eigene Lehren und Lernen weiterhin reflektiert, zukunftsorientiert und mit dem Mut zu neuen Wegen zu gestalten.
Text und Fotos: Du, Rü
