Mit Büchern auf großer Bühne

Noemi Weckenmann (6a) berichtet von ihren Erlebnissen und Erfahrungen beim Vorlesewettbewerb im Schuljahr 2025/2026

Als ich im Herbst beim Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels in unserer Klasse 6a antrat, hätte ich nie gedacht, wohin mich diese Reise führen würde. Was mit einem meiner Lieblingsbücher und einer kleinen Portion Mut begann, entwickelte sich zu einem der aufregendsten Erlebnisse meiner gesamten Schulzeit.

Rückblickend ist es fast so, als hätten mich die verschiedenen Bücher durch die einzelnen Wettbewerbsrunden begleitet. Jedes Buch war anders, jedes hatte seine eigene Welt, seine eigenen Figuren und seine ganz besondere Atmosphäre. Für den Klassenentscheid entschied ich mich für Ich, Zeus, und die Bande vom Olymp von Frank Schwieger. Das Buch erzählt die Geschichten der griechischen Götter auf humorvolle und spannende Weise. Besonders gefallen hat mir, dass man auf unterhaltsame Weise viel über die griechische Mythologie erfahren hat. Beim Vorlesen konnte ich verschiedene Figuren lebendig werden lassen und mit Betonungen spielen. Vielleicht war genau das einer der Gründe, warum ich trotz so vieler toller Vorleser in meiner Klasse ausgewählt wurde.

Ich durfte nun beim Schulentscheid des Stromberg-Gymnasiums gegen zwei weitere Klassensieger und eine Klassensiegerin antreten. Ich wollte ein Buch auswählen, das mich sehr begeistert hat und bei dem man sehr viel mit der Stimme spielen kann. Meine Wahl fiel auf Harry Potter und die Kammer des Schreckens von J. K. Rowling. Die geheimnisvolle Stimmung in Hogwarts, die rätselhaften Ereignisse rund um die Kammer des Schreckens und die vielen spannenden Dialoge boten eine tolle Grundlage für das Vorlesen.  Als ich schließlich zur Schulsiegerin gekürt wurde, konnte ich dies erst kaum glauben. Es fühlte sich fast ein bisschen magisch an – ganz wie in Hogwarts selbst.

Zum Kreisentscheid in Ludwigsburg begleiteten mich meine Mutter, eine Freundin, meine Lehrerin Frau Bausch sowie das Buch Keeper of the Lost Cities – Der Verrat von Shannon Messenger. Die Fantasy-Reihe gehört zu meinen absoluten Lieblingsbüchern. Im Mittelpunkt steht Sophie Foster, die entdeckt, dass sie besondere Fähigkeiten besitzt und in eine andere Welt gehört. Die Geschichte ist spannend, emotional und voller überraschender Wendungen. Für einen Vorlesewettbewerb war das Buch ideal, weil viele Szenen sehr lebendig geschrieben sind. Als ich auch diesen Wettbewerb gewinnen konnte, war das für mich ein ganz besonderer Moment.

In der nächsten Wettbewerbsrunde beim Regionalentscheid in Stuttgart entschied ich mich für Die goldene Schreibmaschine von Carsten Henn. In diesem Buch geht es um Emily, die eine geheimnisvolle Schreibmaschine entdeckt. Alles, was mit ihr geschrieben wird, scheint auf besondere Weise Wirklichkeit zu werden. Das Buch handelt von Fantasie, Geschichten und der Kraft von Worten. Gerade deshalb passte es für mich perfekt zu einem Vorlesewettbewerb. Schließlich geht es auch beim Vorlesen darum, Geschichten lebendig werden zu lassen und Menschen mit Worten zu begeistern. Als ich auch diese Runde gewann und die Qualifikation für den Landesentscheid feststand, konnte ich dies kaum fassen und freute mich zusammen mit meinem Vater und einer Freundin, die mich vor Ort begleiteten und unterstützten. 

Der Höhepunkt meiner Vorlesereise war schließlich der Landesentscheid Baden-Württemberg in Stuttgart. Für diesen besonderen Anlass wählte ich Cassandra Morgan – Der geheime Schlüssel von Anna Ruh. Das Buch erzählt von einem spannenden Abenteuer voller Rätsel, Geheimnisse und unerwarteter Entdeckungen. Schon während der Vorbereitung merkte ich, wie viel Freude es mir machte, die geheimnisvolle Atmosphäre des Buches beim Vorlesen einzufangen. Immer wieder übte ich, an den richtigen Stellen Spannung aufzubauen und die Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf die Reise der Hauptfigur zu nehmen. Meine Familie und meine Lehrerin halfen mir dabei. 

Der Landesentscheid fand in der SpardaWelt in Stuttgart statt. Dies war ein besonderer Tag für mich, vor allem, weil mich nicht nur meine Eltern, meine Schwester und mein Opa, sondern auch meine gesamte Klasse mit unserer Lehrerin begleiten durfte. Zu wissen, dass so viele wichtige Menschen und alle meine Mitschülerinnen und Mitschüler im Publikum saßen und mir die Daumen drückten, gab mir unglaublich viel Kraft. Ich fand es besonders toll, dass meine Klasse so mit mir mitfieberte – einige waren fast aufgeregter als ich. 

Die Veranstaltung war professionell organisiert. Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Baden-Württemberg waren angereist, um ihre Region zu vertreten. Es gab ein fantastisches Rahmenprogramm mit Beat Boxer und einer Autorenlesung. Moderiert wurde der Landesentscheid von Checker Julian, den viele Kinder aus dem Fernsehen kennen. Mit seiner freundlichen und humorvollen Art schaffte er es, die Aufregung ein wenig zu vertreiben und für eine großartige Stimmung zu sorgen.

Kurz vor meinem Auftritt wurde ich trotzdem noch einmal nervös. Doch als ich schließlich auf der Bühne stand und die ersten Sätze las, konzentrierte ich mich ganz auf die Geschichte. Wieder einmal zeigte sich, wie besonders Bücher sein können: Für einige Minuten verschwanden Aufregung, Publikum und Wettbewerb, und nur die Geschichte zählte. Auch die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer beeindruckten mich sehr. Es war spannend zu erleben, wie unterschiedlich Geschichten vorgelesen werden können und wie jede Vorleserin und jeder Vorleser einem Text eine eigene Stimme verleiht.

Als die Jury schließlich ihre Entscheidung bekannt gab, reichte es für mich leider nicht zum Sieg. Natürlich war ich im ersten Moment etwas enttäuscht. Doch dieses Gefühl hielt nicht lange an. Schnell überwog der Stolz darauf, überhaupt beim Landesentscheid Baden-Württemberg dabei gewesen zu sein. Schließlich hatte mein Weg in unserem Klassenzimmer begonnen und mich bis auf eine große Bühne in Stuttgart geführt.

Besonders in Erinnerung bleiben werden mir die vielen spannenden Wettbewerbe, und vor allem die Unterstützung meiner Familie, meiner Klasse mit meiner Lehrerin und die Freude am gemeinsamen Lesen. Ich habe gelernt, mit Nervosität umzugehen und an mich selbst zu glauben.

Die Siegerin des Landesentscheids hat Baden-Württemberg nun beim Bundesfinale im Europa-Park in Rust vertreten. Dort traten die Landessiegerinnen und Landessieger aus ganz Deutschland gegeneinander an. Das Finale habe ich per Livestream verfolgt. 

Wenn ich auf die vergangenen Monate zurückblicke, stelle ich mir schon manchmal die Frage, wie es gewesen wäre, im Finale zu stehen. Ich denke aber vor allem an unvergessliche Momente und bleibende Eindrücke. Ich denke auch an Zeus und die griechischen Götter, an Harry Potter in Hogwarts, an Sophie Foster in den verlorenen Städten, an die geheimnisvolle goldene Schreibmaschine, an Cassandra Morgan auf ihrer Suche nach Antworten und daran, wie weit ich es geschafft habe. Jedes dieser Bücher hat mich ein Stück auf meinem Weg begleitet.

Mein Weg beim Vorlesewettbewerb endete zwar in Stuttgart – meine Begeisterung für Bücher und Geschichten aber ganz bestimmt nicht. 

Bericht: Noemi Weckenmann (6a) und Kathrin Bausch, Fotos: privat