Medienscouts am Stromberg-Gymnasium arbeiten sich in ihre neue Aufgabe ein
Eines wird schon zu Beginn des Workshops deutlich: Die angehenden Medienscouts haben eine klare Vorstellung davon, was zu ihren zukünftigen Aufgaben gehört – und was nicht. Mitschüler für einen verantwortungsvollen Umgang mit den sozialen Medien und für die Gefahren im Netz zu sensibilisieren? Ja. Immer die neuesten Apps zu kennen, Smartphones zu reparieren oder gar mit den Eltern von Mitschülern zu reden, dass diese das neueste Modell bekommen? Ganz klar: Nein. Die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten positionieren sich treffsicher zu den möglichen Erwartungen, die Ausbilderin Helena Dittrich für sie vorbereitet hat.

Dittrich steht kurz vor dem Abschluss ihres Referendariats in den Fächern Chemie und Bildende Kunst am Stromberg-Gymnasium. Sie verfügt bereits über eine mehr als zehnjährige Erfahrung in der Medienprävention. Insbesondere die Medienscouts sind ihr „ein Herzensanliegen“. Als Medienscouts stellen sich engagierte Jugendliche jüngeren Mitschülerinnen und Mitschülern zur Verfügung, um sie bei einem verantwortungsbewussten Umgang mit Medien zu unterstützen – so künftig auch am Stromberg-Gymnasium. Mit dem Workshop am heutigen Vormittag absolvieren zwei Schülerinnen aus der 10c und vier Schüler aus der 8b den ersten Teil ihrer Ausbildung zu Medienscouts.
Nach dem spielerischen Beginn steigen die sechs Jugendlichen tief in die Materie ein: In dieser Phase steht besonders der Erwerb fundierter Kenntnisse und des Fachvokabulars im Mittelpunkt. In Gruppen setzen sie sich mit den Gefahren auseinander, die das Internet, vor allem über die sozialen Medien, für Kinder und Jugendliche mit sich bringen kann. Zur Sprache kommen die Begriffe „Fake News“, „Cyber Grooming“, also Online-Kontakte anonymer Erwachsener mit Minderjährigen, „Hate Speech“ oder TikTok-Challenges. Besprochen wird jeweils, Schülerinnen und Schüler welcher Klassenstufe besonders anfällig für solche Gefahren sein könnten – und wie Betroffenen geholfen werden kann, eventuell auch unter Einbeziehung externer Initiativen wie etwa des Vereins „Hate Aid“.
In der letzten Arbeitsphase liegt der Fokus auf der Präsentationskompetenz der zukünftigen Medienscouts. Da dies für ihre Arbeit eine wichtige Grundlage bildet, frischen sie ihre Kenntnisse darüber auf, was eine gute Präsentation ausmacht, und wenden die Tipps der Ausbilderin direkt in einer Runde Power-Point-Karaoke an. Anschließend wird die Präsentationskompetenz weiter an Inhalten geschult, und zwar an den für junge Menschen besonders relevanten Themen „personalisierte Werbung“, Cybermobbing und „Kommunikation untereinander“ in Chatgruppen. Die Medienscouts in spe arbeiten sich in Gruppen eigenständig ein, tragen die Erkenntnisse sowie Hilfsangebote als Präsentationen vor und geben sich gegenseitig Rückmeldung.

Im Hinblick auf die Online-Reklame formuliert die zuständige Gruppe klar das Ziel, dass Jugendliche vor Werbung für Produkte geschützt werden sollten, die einem ungesunden Lebensstil Vorschub leisten, die für ihr Alter nicht angemessen sind oder die Suchtgefahr bergen. Bei der Beschäftigung mit Cybermobbing arbeiten die Jugendlichen heraus, was dieses bei Betroffenen bewirkt und woher Hilfe kommen könnte – etwa von Verbindungslehrern, Eltern oder auch der Schulleitung. Noch brisanter wird es freilich, wenn eine größere Gruppe bis hin zur ganzen Klasse Zeuge des Mobbings wird, beispielsweise in einem Klassenchat. Hier sehen sie ihre Aufgabe darin, Schülerinnen und Schülern sowie deren Eltern ein Bewusstsein für die große Verantwortung zu vermitteln, die ein Klassenchat jedem der darin aktiven Personen auferlegt. Dies könnte, so überlegen sie weiter, im Rahmen eines Klassenabends gemeinsam mit den Eltern geschehen, auf dem auch Regeln für den Umgang miteinander online aufgestellt werden.
Am Ende des Workshops hat sich gezeigt: Die sechs Jugendlichen gehen ihre neue Aufgabe mit Elan an und einem guten Gespür dafür, was sie mit sich bringt. Und es wartet noch einiges an Arbeit auf sie, um die an diesem Vormittag als dringlich identifizierten Themen für die unterschiedlichen Klassenstufen aufzubereiten. Unterstützt werden sie dabei künftig von Geographie-, Mathematik- und Informatiklehrer Lucas Zimmermann. Er wird die Medienscouts auch zu zwei Terminen im neuen Schuljahr begleiten: Am 19. und 20. Oktober setzen sie ihre Ausbildung an der Akademie für Innovative Bildung und Management (aim) in Heilbronn fort. Vom 12. bis 15. November nehmen sie an der Bundesjugendkonferenz Medien in Rostock teil. Dort werden sie nicht nur auf Medienscouts aus dem gesamten Bundesgebiet treffen, um sich gegenseitig auszutauschen und zu vernetzen, sondern auch auf Helena Dittrich, die dieses Event für den Verein „Die Pixelpioniere e.V.“ schon seit Jahren organisiert.
Wenn Dittrich nach den Sommerferien ihr pädagogisches Wirken an einer Schule in Rheinland-Pfalz fortsetzt, kann sie dies in der Gewissheit tun, am Stromberg-Gymnasium einen wichtigen Impuls gegeben zu haben.
Bericht und Fotos: Sy
