Eine traurige Geschichte, die mit einer Versöhnung endet

Ein Ensemble aus Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher Klassenstufen führt Shakespeares Romeo and Juliet auf. 

Immerhin endet das Drama mit einer Versöhnung: Schwer gezeichnet vom Tod Julias und Romeos geben sich die verzweifelten Väter die Hand. Vorausgegangen war eine langjährige Feindschaft, die sich auf die gesamte Familie einschließlich der Dienerschaft erstreckte. Sie zwang Romeo und Julia zu einem Versteckspiel und führte letztlich zu ihrem Tod. Die letzten Worte im Stück hat Prinz Escalus, der Fürst von Verona. Er fordert das Publikum dazu auf, Kunde vom tragischen Schicksal der beiden jungen Menschen zu tun: „For never was a story of more woe / Than this of Juliet and her Romeo.“ Denn nie gab es eine traurigere Geschichte als die von Romeo und Julia.

Insgesamt neun Schülerinnen und Schüler aus den Klassenstufen 6, 7 und 9 sowie aus der Jahrgangsstufe 2 waren an diesem Sommerabend an der Aufführung einer gekürzten und vereinfachten Version der Tragödie von William Shakespeare beteiligt. Die schauspielerprobte Amira La Malfa (9b) verkörperte die schmachtende, zu allem entschlossene Juliet in Perfektion – und überzeugte auch als Romeos Freund Benvolio. Elise Meinholdt (9b) brillierte als Romeo mit einer bestens austarierten Mischung aus Schwärmerei und jugendlichem Ungestüm. Für die Rollen von Julias Eltern, den Capulets, konnten eine Schülerin und ein Schüler aus der Jahrgangsstufe 2 gewonnen werden, die beide in der Kursstufe das zweistündige Wahlfach „Literatur und Theater“ belegt hatten. Als Lady Capulet schöpfte Lilli Schuster aus ihrem reichhaltigen schauspielerischen Erfahrungsschatz, während Jovin Besserer in der Rolle ihres Ehemanns sein Können bewies. 

Auf der Gegenseite wurde der mit den Capulets verfeindete Montague, Romeos Vater, von Bernadette Sautter (9a) dargestellt, deren hauptsächliche Rolle indes eine andere war: Als Nurse lotete sie die Gratwanderung zwischen der engen Verbundenheit dieser Figur mit Juliet und der Loyalität gegenüber deren Eltern hervorragend aus. Ebenso eindrucksvoll: Niamh Gräfin von Reischach als Friar Laurence, der als stets bereiter Ratgeber Romeo und Juliet mit einfühlsamer Zuwendung begegnet, im entscheidenden Moment aber durch große Feigheit enttäuscht – ein Widerspruch, den die Schülerin aus der 7b gekonnt herausarbeitete. Aber auch das feurige Temperament des Tybalt, des Cousins von Julia, den sie ebenfalls verkörperte, lag ihr ganz offensichtlich.

Tybalt ist es, der in einem Handgemenge Romeos Freund Mercutio so schwer verletzt, dass dieser daran stirbt. In die Rolle des Mercutio schlüpfte Eva Schneid (7b), die es souverän verstand, von Anzüglichkeiten, wie sie unter jungen Männer vorkommen, zu Verwünschungen überzugehen, als Mercutio von Tybalts Schwert getroffen wird. Einen wichtigen Beitrag leisteten auch die beiden Jüngsten im Ensemble: Roland Graner (6d) sorgte als Diener der Capulets gleich zu Beginn der Aufführung für einen lebhaften Einstieg, indem er die Sticheleien gegenüber dem Diener der Montagues, gespielt von Floyd Hecker (6a), meisterhaft umsetzte. Auch die Rolle des zwielichtigen, gewissenlosen Apothekers, der dem verzweifelten Romeo das Gift verkauft, mit dem dieser sich selbst tötet, hatte Roland perfekt verinnerlicht und brachte das Publikum damit trotz aller Tragik zum Schmunzeln. 

Floyd bestach durch seine große Wandlungsfähigkeit, die ihn innerhalb von Sekunden von der Rolle des in seiner Ehre gekränkten Montague-Dieners in die des staatstragenden Prinzen Escalus wechseln ließ. Als Prinz Escalus gebührten ihm auch die eingangs zitierten Schlussworte des Dramas.  

Letztlich war es dem schauspielerischen Talent und der Disziplin aller Beteiligten zu verdanken, dass die geplante Aufführung an einem der letzten Tage des Schuljahres überhaupt stattfinden konnte – Unterrichtsausfälle durch das Sozialpraktikum in Klasse 9, durch die Hitzewelle Ende Juni und durch Erkrankungen einzelner Hauptdarsteller hatten ein regelmäßiges Proben erschwert. Zudem war das Ensemble erst seit Mai vollständig gewesen. War das Projekt ursprünglich aus dem Differenzierungsangebot für die Mittelstufe hervorgegangen, so zeigte sich schnell: Bei der Aussicht auf einen zusätzlichen Nachmittag an der Schule, um zu proben, winken die meisten Schülerinnen und Schüler der Mittelstufe ab. Insofern war es ein Glücksfall, dass Schülerinnen und Schüler aus der Unter- und der Oberstufe die Gruppe verstärkten. 

Dazu, dass die Aufführung ein voller Erfolg wurde, leisteten also Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Klassenstufen von 6 bis J2 mit ihren schauspielerischen Fähigkeiten ganz individuelle Beiträge. 

                                   Bericht: Sy, Bilder: Sf